Österreichs Luftraumüberwachung - ein Muss

Jährlich durchfliegen mehr als 800.000 Flugzeuge den österreichischen Luftraum, darunter rund 15.000 Militärmaschinen. Jede Stunde durchqueren Österreich daher mehr als 90 Flugzeuge und das durchgehend, 24 Stunden, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr. Schwerstarbeit für das Personal der zivilen und militärischen Luftraumüberwachung. Seit den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten herrscht Hochspannung hinter den Radarschirmen. Abfangjäger sind in Bereitschaft, um in kürzester Zeit zu nicht identifizierbaren Flugobjekten aufzusteigen. Immer wieder fangen österreichische Maschinen Flugzeuge ab, die über Funk nicht erreichbar sind und von der zivilen an die militärische Luftraumüberwachung übergeben werden.
Solche "Priorität Alpha-Fälle" sind nicht ungewöhnlich. In den letzten 5 Jahren sind über 1.000 zunächst nicht feststellbare Flugobjekte in den österreichischen Luftraum eingeflogen. In über 60 Fällen starteten alarmierte Draken-Abfangjäger oder Maschinen der Type Saab 105 zu Identifizierungsflügen. Wie es dazu kommen kann, schildert ein Experte der militärischen Luftraumüberwachung. "Die österreichische Luftraumüberwachung kennt zwei Verfahren, das Sekundärradar- und das Primärradarverfahren". Die zivile Luftraumüberwachung in Österreich (AustroControl) stützt sich auf die Flugsicherung mit passiven Radarsystemen (Sekundärradar). Das heißt, die Erkennung eines Flugobjektes am Radarschirm ist nur mit eingeschaltetem Transponder (transmitter und responder) möglich. "Verhält sich das Flugobjekt nicht 'kooperativ', schaltet es also seinen Transponder aus, verschwindet die Maschine sofort vom Radarschirm der zivilen Controller", so der Experte. Nun beginnt die Arbeit der militärischen Luftraumüberwacher, die eng mit der AustroControl zusammenarbeiten. Das Bundeheer verfügt sowohl über Sekundärradarsysteme als auch über Primärradarsysteme (System Goldhaube), die nicht vom Transponder eines Flugzeuges abhängig sind. Das aus drei Großradarstationen und zwei mobilen Einheiten bestehende Primärradarsystem des Bundesheeres ortet jedes Objekt am Himmel und kann Höhe, Geschwindigkeit, Richtung und Entfernung exakt feststellen.
"Es wird natürlich auch von uns laufend auf international üblichen Frequenzen versucht, den Kontakt mit dem Flugobjekt herzustellen", erklärt der Spezialist weiter. Kommt dann keine Verbindung zustande, wird ein sogenannter "Priorität Alpha-Fall" ausgelöst. Abfangjäger werden auf kürzestem Weg von der Einsatzzentrale an das unbekannte Objekt herangeführt. In diesem Fall haben die militärischen Flugzeuge Vorrang in allen Flugebenen.
Verschiedenste Fälle beweisen, wie wichtig der Abfangjäger im Gesamtsystem der zivilen und militärischen Luftraumüberwachung ist. "Das stellt noch einmal unter Beweis, wie notwendig eine funktionierende Luftraumüberwachung ist, sowohl passiv über das Radar als auch aktiv mit Abfangjägern", stellt Verteidigungsminister Günther Platter fest. Andernfalls könne man in so einem Fall nur zusehen, wie das unidentifizierte Flugzeug über den Schirm "wandere" und "hoffen", daß nichts passiert.


Um die Lufthoheit wahren zu können, ist es notwendig, eindringende Flugzeuge zu orten, zu identifizieren und gegebenenfalls abzudrängen oder zur Landung zu zwingen.


o Luftraumüberwachung
Die Luftraumüberwachung erfolgt durch ortsfeste und mobile Radarstationen. Sie ist zugleich ein Führungsinstrument das elektronisch Führungsgrundlagen ermittelt und ein gezieltes Führen der Luftfahrzeuge ermöglicht, die zur Identifizierung eingesetzt werden. Zusätzliche Tieffliegererfassungsradars ergänzen das derzeitige System.
o Sicherungseinsatz
Beim Sicherungseinsatz führen die Luftstreitkräfte die Grenzraumüberwachung, Bildaufklärung, Bilddokumentation, Lufttransport, Verbindungsflüge durch.
o Raum- und Objektschutz
Die Fliegerabwehrkräfte schützen strategisch wichtige Räume, Objekte und Einrichtungen gegen Angriffe aus der Luft.
Der Schutz von Personen und vor allem der eingesetzten Bodentruppen in grenznahen Räumen hat dabei Vorrang.
o Unterstützung der Bodentruppen durch Aufklärung , Feuerunterstützung, Lufttransport, Verbindungsflüge , Versorgung aus der Luft , Transport von Verwundeten
o Warnen der Zivilbevölkerung
Im Neutralitäts- und Verteidigungsfall ist die Zivilbevölkerung vor einfliegenden Flugzeugen zu warnen und für die politische und militärische Führung, sowie für die Truppe ein Luftlagebild zu erstellen.
o Rettungseinsätze- und Assistenzeinsätze
Die für die Aufnahme und Bergung von Menschen und Gütern geeigneten Luftfahrzeuge werden überall dort eingesetzt, wo andere Mittel nicht mehr ausreichen.