Die Geschichte der A-Reihe


 

Die Entwicklung der Raketen der A-Reihe (A steht für Aggregat) beginnt 1932 in Kummersdorf bei Berlin unter der technischen Leitung von Wernher v.Braun. Militärischer Leiter war Dr. Walter Dornberger, ein Ingenieur im Offiziersrang. Die A 1 war die erste Rakete der A-Reihe. Sie wurde unter der Leitung von
v. Braun entwickelt. Mit lediglich 1.40 m Länge und 40kg Gewicht, war sie noch verhältnismäßig klein. Sie flog jedoch nie, da sie wie alle Raketen dieser Größe ein Steuerungsproblem hatte. Um dieses Problem zu
umgehen, ließ man die Rakete, auf Vorschlag Dornbergers, um die eigene Achse rotieren. Wegen der schlecht positionierten Lage des Kreisels am Raketenkopf wurde die Flugstabilität jedoch nur noch mehr verringert. Bei der verbesserten Version, der A 2, verlegte man den Kreisel in die Mitte der Rakete. Die Tests mit dieser Rakete wurden auf der Nordseeinsel Borkum gemacht. Es wurden insgesamt zwei Exemplare dieses Typs gebaut mit der Bezeichnung Max und Moritz. Während ihrer Testvorbereitung wurde schon an
dem Nachfolger A 3 gearbeitet, der eine fünffache Schubkraft von bis zu 1500 N erzeugen sollte. Diese sollte erst in Peenemünde getestet werden. Wegen
des verbesserten Stabilisierungssystems musste die Rakete 6.74 m lang und fünfmal schwerer als die A 1 und A 2 sein. Im ersten Windkanal Deutschlands
wurde unter Leitung von v. Braun und Dr. Rudolf Hermann von der TU Aachen die A 3 noch weiter verbessert und erhielt eine neue Kreiselsteuerung.
Inzwischen waren die Versuchsanlagen in Peenemünde genügend ausgebaut, um die leistungsstärkere A 3 zu testen.

Zu der für damalige Verhältnisse modernen Ausstattung gehörten wissenschaftliche Labors und Werkstätten, Teststände und Produktionsstätten zum Bau der Raketen. Eine neu erbaute Reihenhaussiedlung gestattete den Familien der Wissenschaftler und Techniker in Peenemünde ein privilegiertes wenn auch von der Außenwelt abgeschottetes Leben. Das neue technische Ziel, der Überschallflug, konnte auch vorerst noch nicht erreicht werden. Eine dritte Verbesserung, eine Veränderung der Flossenform, basierend auf Messdaten aus dem Windkanal, und kleine Verbesserungen am Motor halfen auch nicht, die Rakete am Abstürzen zu hindern. Meist trudelte
sie nach wenigen hundert Metern wieder auf den Boden zurück. Gründe für den Flugfehler waren die zu langsam reagierende Kreiselsteuerung und die zu kleinen Flossen, die die herrschenden Winde nicht ausgleichen konnten. Daraufhin wurde das gesamte Leitwerk neu überholt. Die neue Version flog wie beabsichtigt und wurde wegen des schlechten Rufes der A 3 als A 5
bezeichnet. Die Bezeichnung A 4 sollte für das verbesserte Modell reserviert werden, jedoch unter Einplanung von Nutzlast wie es von der Heeresleitung,
dem einzigen Geldgeber, gefordert worden war.

Zuerst gab es nur die A 9a , eine A 4 - Flügelversion, die die Tests im Windkanal bestand. Wegen des Erfolges und der großen Menge an hilfreichen
Daten, wurde die Idee für einen neuen Windkanal und eine Großrakete mit der Bezeichnung A 9/A 10 entwickelt. Es kam jedoch nie zu einer Umsetzung der
Pläne während des Krieges, da die mehr an der Raumfahrt als dem Krieg orientierte Rakete vor den Geldgebern nicht gerechtfertigt werden konnte.

Ein anderes, ziviles Projekt konnte jedoch mit dem Bau der A4 verwirklicht werden: Dr. Erich Regener war ein damals bekannter Experimentalphysiker,der sich mit Stratosphärenforschungen beschäftigte. Als v. Braun ihn bat,nach Peenemünde zu kommen, war er natürlich interessiert, da er mit seinen bisherigen Ballonversuchen nicht in ausreichende Höhen kommen konnte um die Experimente durchzuführen. Mit einer von v. Brauns A 4-Raketen jedoch wären Höhen von 45 bis 90 km erreichbar gewesen. 1942 wurde Regener unter Vertrag genommen und konnte mit seiner Arbeit in Peenemünde beginnen. In den Tests funktionierte die entwickelte sogenannte "Regenertonne", ein
aerodynamischer, tonnenförmiger Körper, in dem alle Messinstrumente enthalten waren, aber leider kam es zu keinem Praxisversuch, da die Wissenschaftler 1945 evakuiert werden mussten. Die Versuche mit der
Regenertonne wurden nach dem Krieg in den USA weitergeführt.




Die Entwicklung der V2
Die A4 wird zur V2

 

 

Der Einsatz der V2 im 2. Weltkrieg

Als Nachfolger der V 1 , einer Flugbombe mit der Bezeichnung "Fi 103", wurde die Vergeltungswaffe V 2 ab der Nacht vom 7. zum 8. September 1944 effektiv
im Krieg eingesetzt. Anfangs lag die Produktionsstückzahl bei 500 Stück,sollte jedoch nach Anfang November auf 900 Stück/Monat erhöht werden. Das klingt zwar nach einer enormen Menge, wenn man bedenkt, dass in jeder Rakete zuerst 750kg und später bis zu 967kg Sprengsoff enthalten waren. Jedoch muss
berücksichtigt werden, dass ca. 6% der Raketen unmittelbar nach dem Start explodierten und weitere 60% aus technischen Mängeln zur Nachbesserung zurück geschickt wurden.
Nachdem die Rakentensilos der V 2 massiv von alliierten Fliegern angegriffen worden waren und auch nur schwer und vor allem zu langsam repariert werden konnten,stieg man auf den Abschuss von mobilen Basen um, die zum einen weniger leicht zu treffen als auch einfacher wieder instandzusetzen bzw herzustellen
waren. Klaus Riedel, ein wesentlicher Kopf des früheren Vereins für Raumfahrt, war mit der Organisation des Kampfeinsatzes der V 2 betraut. Riedel starb im August 1944 auf ungeklärter Weise in Peenemünde bei einem
Autounfall. Im Februar 1945 verließen die ersten Wissenschaftler und Techniker Peenemünde. Wernher v. Braun ließ große Mengen wertvoller Dokumente
abtransportieren und verstecken. Dieses Material gelang später in die USA. Im Mai 1945 übernahmen die Russen Peenemünde.


   


 

 


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